Hizen no Kuni ju Higo Daijo Minamoto Tanehiro Katana

Der Schwertschmied Minamoto Tanehiro, bürgerlich als Ichitaro bekannt, war ein herausragender Meister des traditionellen japanischen Kunsthandwerks, dessen Hauptschaffensphase in der frühen Edo-Zeit von der späten Kan'ei-Ära (um 1640) bis zur Kanbun-Ära (ca. 1661–1673) lag. Er stammte ursprünglich aus der hochspezialisierten Ichita-Seitenlinie, einer kunsthandwerklichen Familie, die eng mit den bekannten Schmieden Morihide und Ieyasu aus Hirado verwandt war. Im Laufe seiner Karriere zog Tanehiro in das wirtschaftliche und politische Machtzentrum der Provinz Hizen nach Saga um, welches unter der strengen Kontrolle des mächtigen Nabeshima-Clans stand. Dieser Clan hielt ein striktes Monopol auf die erstklassigen Eisensande der Region und organisierte die dortigen Schmiedeschulen zu einem hocheffizienten Wirtschaftsimperium, dessen Klingen in ganz Japan als luxuriöse Statussymbole begehrt und für ihre kompromisslose Schneidfähigkeit berüchtigt waren.

Tanehiro arbeitete im Gegensatz zur extrem produktiven Tadayoshi-Hauptlinie in einer weitaus kleineren, hochspezialisierten Werkstatt und fertigte Klingen in geringer Stückzahl für ausgewählte lokale Klienten an, wodurch signierte Werke von ihm auf dem weltweiten Sammlermarkt heute als extreme Raritäten gelten. Aufgrund seines außergewöhnlichen Talents wurde ihm zunächst der kaiserliche Ehrentitel Higo Daijo (Hofbeamter der Provinz Higo) verliehen, bevor er später die prestigeträchtige Beförderung zum noch höheren Rang des Higo no Kami (Gouverneur von Higo) erhielt, was seine elitäre Stellung innerhalb der Schmiede-Hierarchie der Edo-Zeit untermauert.

Das vorliegende Langschwert wurde unter der Zertifikatsnummer 9475 am 5. November 1993 (Heisei 5) im Zuge der 39. Juyo-Zertifizierungsrunde von der Gesellschaft zur Erhaltung der japanischen Kunstschwerter (NBTHK) offiziell als Juyo Token eingestuft, wobei es das einzige dokumentierte Katana dieses Schmieds ist, das diesen musealen Status je erreicht hat. Die Klinge besitzt eine für ihre Epoche außergewöhnliche Länge von 76 cm, eine elegante, moderate Krümmung von 1,5 cm sowie eine kraftvolle Basisbreite von 3,2 cm, die sich zu einer Spitzenlänge von 3,1 cm verjüngt. Geschmiedet im klassischen Shinogi-zukuri-Stil mit einem dachförmigen Klingenrücken und hohem Shinogi, zeigt die Oberfläche ein extrem dichtes, feinkörniges Ko-itame-hada, das stellenweise von fließenden Nagare-hada-Linien durchzogen ist.

Die Klingenoberfläche ist reich an funkelnden Martensit-Kristallen und zeigt feinste, dunkle Chikei-Strukturen, während das prachtvolle Härtemuster von einem wilden Nelkenblüten-Stil (Choji-midare) dominiert wird, in den sich wellige Strukturen sowie Aktivitätsspuren wie Sunagashi und Tobiyaki mischen. Eine strahlend helle Übergangslinie (Nioi-guchi) spiegelt den auf der Rückseite der ungekürzten Originalangel eingemeißelten Eigennamen „Sukimagumo“ visuell wider, welcher symbolisch das lautlose Durchbrechen des Sonnenlichts durch eine dichte Wolkendecke mit der legendären Schärfe dieser Waffe vergleicht. Zum Schutz dieser unschätzbaren Klingenstrukturen ruht das Katana heute in einer maßgefertigten Shirasaya mit meisterhafter Experten-Sayagaki von Honma Junji.

Die originale Koshira wird getrennt von der Klinge aufbewahrt und durch ein exakt angepasstes Holzmodell der Klinge, ein sogenanntes Tsunagi, stabilisiert, was die empfindlichen inneren Holzwände vor mechanischem Verschleiß schützt und den Erhalt des Ensembles im Top-Zustand sichert. Die Schwertscheide ist als Inro-kizami Saya gefertigt, bei der das Magnolienholz in feine, horizontale Querrippen segmentiert und mit unzähligen Schichten tiefschwarzem Urushi-Lack überzogen wurde, was dem Samurai im täglichen Gebrauch einen rutschfesten Griff bot.

Das Stichblatt ist eine signierte Arbeit des Edo-zeitlichen Meisters Kunitsugu, ausgeführt in der charakteristischen Vierpass-Form (Mokko-gata) aus hochverdichtetem, geschmiedetem Eisen, dessen offene Durchbrüche das herzförmige Wildschweinsauge (Inome) als Schutzsymbol gegen Feuer sowie eingerollte Karakusa-Ranken für Langlebigkeit zeigen. Diese Ausschnitte sind mit hauchdünnen Goldeinlagen (Kin-zogan) umrandet, während weiche Kupfereinsätze (Sekigane) im Zentrum für eine millimetergenaue Justierung sorgen. Der Griff setzt das edle Thema mit einer straffen, schwarzen Wicklung über strahlend weißer Rochenhaut (Samegawa) fort und verbirgt unter der Seide sowie auf den Fuchi-Kashira-Beschlägen plastisch ausgearbeitete Drachen aus tiefschwarzem Shakudo mit goldenen Akzenten. Diese Drachen bilden eine vollendete mythologische Einheit mit der Klinge, da sie als Beherrscher der Wolken das Licht der „Sukimagumo“ symbolisch entfesseln, sobald das Schwert gezogen wird.